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Warum hat Gott das zugelassen?

"...rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen." Psalm 50,15

Diese Tatsache habe ich in meinem Leben erlebt und erlebe sie auch immer wieder.
Davon möchte ich gerne was erzählen.

Ich komme aus einer ganz normalen, damals ungläubigen Familie und habe noch einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Meine Eltern waren beide berufstätig und sorgten für unser Wohlergehen. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Eltern es geschafft haben, den ganzen Tag zu arbeiten und dann noch den Haushalt, den Stall voll Vieh und einen nicht kleinen Garten in Ordnung zu halten. Und nicht nur das, wir Kinder mussten ja auch verpflegt und beschäftigt werden. Natürlich, wir gingen in den Kindergarten, später in die Schule, dennoch werde ich nie vergessen, wie meine Mutter stets wenn ich sie brauchte für mich Zeit hatte.

Sie nähte, häkelte und strickte gerne. Eines Tages, beim Zuschauen, sagte ich, dass ich auch stricken lernen möchte und sie zeigte mir gerne wie es geht. Später, in den ersten Schuljahren, malte sie für meine Klasse einige Poster zu Silvester, Muttertag, usw., und ich durfte jedes Mal dabei sein, gleichzeitig brachte sie mir einige Tricks dieser Kunst bei. Einmal beauftragte sie mich die 1x1-Tabelle mit großen Ziffern (Schablone) auf ein Plakat drauf zu schreiben. Oh, war ich vielleicht stolz und glücklich, dass sie mir die Arbeit anvertraute. Im Sommer musste ich oft der Mutter helfen die Kühe zu melken, dass heißt, ihnen die Schweife zu halten, da sie sonst mit denen schlugen, um die aufdringlichen Fliegen weg zu scheuchen. Eines Tages hatte ich Lust zu melken, auch das zeigte mir meine Mutter. Und tatsächlich, es klappte! Noch ahnte ich nicht, dass ich bald auf Mutters Platz sitzen müssen würde.

Warum erzähle ich das alles? Ja, weil ich das besonders schätze. Für mich ist das sehr wichtig, dass sie mich liebte und mich nie ablehnte, in dem Sinne, dass ich noch zu klein sei oder, dass sie keine Zeit für mich hätte. Es gibt natürlich noch viele andere schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit. Aber warum ging es mir überhaupt so gut? Warum hatte ich alles? Vom wem kam das und wozu das Ganze? Das wusste ich zu der Zeit noch nicht.

In unserer Familie wurde von Gott nicht gesprochen, außer den auswendig gelernten Gebeten, die wir Kinder zur Nacht gesprochen haben, dabei sie aber nie richtig verstanden haben. Ostern feierten wir auch mit einem Osterhasen, bunten Eiern und verschiedenen Leckereien. Weihnachten feierten wir mit einem unheimlich gekleideten Onkel mit einer langen Kette in der Hand und auch Geschenken, wenn wir brav gewesen waren. Das alles waren Sitten in unserer Gegend, die vor Gott total daneben liegen, aber mehr wussten wir leider nicht von dem wahren Wesen Gottes, bis er eines Tages persönlich "klopfte". Das "Klopfen" war nicht besonders angenehm, ja sogar schrecklich. Manch einer würde sich vielleicht verbittern gegen Gott, aber erst danach fühlte ich mich vollkommen abhängig von ihm; ich habe zu ihm gerufen und er hat mich errettet und ich will ihn preisen.

Das geschah im Jahr 1990. Im Mai wurde ich 10 Jahre alt und im Sommer hatten wir eine weite Urlaubsreise, ca. 1000 km, zu den Verwandten vor. Wir Kinder waren begeistert, unser Glück hatte kein Ende. Wegen der Aufregung konnten wir die ganze Nacht vor der Abreise nicht einschlafen. Dann die interessante Fahrt den ganzen Tag lang. Und schließlich waren wir am Ziel. Auch bei den Verwandten war alles sehr schön und gut. Doch auch das hatte sein Ende und wir mussten wieder nach Hause.

Es waren noch ca. 500 km bis zu Hause geblieben, als es aus heiterem Himmel anfing zu nieseln. Der Asphalt, da er im Sommer sehr staubig war, wurde rutschig. Plötzlich, bei einer hohen Geschwindigkeit, blockierten die Räder vom Auto. Was war los? Das Auto gehorchte nicht mehr. Es schleuderte uns hin und her, bis wir uns überschlugen. Dabei hatte es meine Mutter aus dem Auto rausgeschleudert. Sie stürzte auf große Steine und bekam eine sehr schwere Kopf- und Gehirnverletzung. Sie war bewusstlos. Mit uns passierte nichts, außer mit meinem Bruder, der drei kleine Platzwunden am Kopf hatte. Ja, in einem Nu war das viele Schöne vorbei. Noch beim Überschlagen schrie ich, ich weiß nicht ob laut oder in Gedanken: "Das ist ein Traum, das ist nur ein Traum!" Die paar Sekunden schienen endlos zu sein, doch dann war alles vorbei. Alles vorbei? Nein. Es begann ein Alptraum in der Wirklichkeit. Es ist unmöglich den Ablauf des Geschehenen, sowie die Gefühle vollständig zu beschreiben. Ich hatte wahrscheinlich einen Schock und war völlig durcheinander. Ich wollte an das Unglück nicht glauben, ich konnte es einfach nicht fassen. Das was rundum war, nahm ich nicht so richtig wahr. Mit meiner Mutter sah es sehr kritisch aus und ich hatte nur noch die Hoffnung auf Genesung. Die Erwachsenen aber beteten auf einmal zu Gott... Gott?

Nach sechs Tagen starb meine Mutter. Gott warum hast du das zugelassen? Man könnte rebellieren, böse sein, sich verbittern. Doch ich kann das gar nicht erklären, aber bei dem Gedanken an den mir noch unbekannten Gott, fühlte ich mich irgendwie ruhig und geborgen. Irgendwo tief in meinem Herzen war es so, als wenn Er mir sagte: "Ich nahm deine Mutter, jetzt bin Ich an ihrer Stelle. Ich liebe dich und Ich habe immer für dich Zeit. Ich will dich führen." Tief in meinem Herzen hatte ich Vertrauen zu diesem Gott, aber ich hatte noch keine persönliche Beziehung zu Ihm.

Das Unglück war ein sehr schwerer Schlag für uns alle und hatte auch seine Folgen. Mein Vater konnte mit dem Schmerz des Verlustes nicht fertig werden, daher versuchte er ihn mit dem Alkohol zu betäuben. Oft war er den ganzen Tag irgendwo unterwegs. Er kam abends, um uns ins Bett zu bringen und dann ging er wieder. Manchmal, wenn er nach Hause kam, weinte er, umarmte mich und erzählte mir einiges. Er meinte, er würde das Ganze nicht aushalten können und würde sich das Leben nehmen. Jedes mal bekam ich panische Angst. Ich bat ihn es nicht zu tun und auch nicht weg zu gehen. Er versuchte mich natürlich zu beruhigen, versuchte die Worte zurück zu nehmen und machte mir deutlich, dass er uns liebt und dass wir für ihn der Halt sind. Dennoch wusste ich, dass ihm danach war. Ich bitte, meinen Vater deswegen nicht zu verurteilen. Nicht jeder Mensch ohne Gott kann seine Trauer, Not oder Schwierigkeiten gut meistern.

Wenn wir im Bett waren, wartete er so lange bis wir geschlafen haben, dann ging er wieder weg. Ich denke die Einsamkeit hat ihn stets getrieben. Ich tat aber nur so als ob ich schliefe, dabei zitterte ich am ganzen Körper vor Angst. Sie ließ erst dann etwas nach, wenn ich, nachdem Vater weg war, den ganzen Stall durchsuchte und sicher war, dass er nicht da war, also war er bei den Freunden. Diese schreckliche Angst, dass auch mein Vater aus dem Leben gehen könnte, machte mich einfach kaputt. Sie war unerträglich. Doch was sollte ich auch tun? Was machen? Gott! Kam mir der Gedanke in meiner Angst in einer von diesen Nächten. Mittlerweile wusste ich genau, dass Er über allen Dingen steht und sie lenkt. Ich bekam den Wunsch zu Ihm zu beten. Ja, ich betete das erste Mal in meinem Leben ganz bewusst zu diesem Gott, Er sollte doch meinen Vater vor dem Übel bewahren. Und tatsächlich, Gott war da, Er beruhigte mich sanft und ich konnte friedlich einschlafen.

Es blieb aber nicht bei diesem einen Mal, ich wollte immer öfter zu Ihm beten und jedes mal war Gott mir nahe. Und nicht nur das, im Laufe der Zeit durfte ich Ihn sogar persönlich kennen lernen, sein wahrhaftes Wesen. Ich war glücklich, durch Christen und sein Wort (die Bibel) zu erfahren, dass Er mich liebt so wie ich bin. Das heißt auch so schlecht wie ich bin. Ich durfte mein ganzes Leben, mit der ganzen Angst und der Last des Unglücks Ihm übergeben. Und auch alle meine Sünden, die mich von Gott trennten, für die Er aber mit seinem Blut bezahlte, bei Ihm ablegen. Ich bin glücklich! Er nahm mich an, Er schenkte mir die Vergebung, die Freiheit von der Angst, Freude in Ihm und noch mehr - ewiges Leben. Ja, Er erhörte auch mein Gebet. Er bewahrte meinen Vater und schenkte ihm eine gute Frau zur Seite, die uns zur Mutter wurde.

Eigentlich könnte ich noch viel mehr von den wunderbaren Führungen Gottes in meinem Leben schreiben. Doch dazu möchte ich nur noch sagen, dass ich glücklich bin mit Ihm tagein, tagaus durchs Leben zu gehen. Natürlich ist mein Weg nicht immer voll Sonnenschein, auch falle ich oft, doch Er hat mir in seinem Wort versprochen und ich bin fest davon überzeugt, Er wird mich nicht verlassen, noch loslassen. Deswegen möchte ich von meinem Gott weitersagen und Ihn für seine Liebe und Güte loben und preisen!

Herr, Du gibst mir jeden Tag Kraft und Mut zum leben,
denn Du führst mich bei der Hand, schenkst mir Deinen Segen.
Herr, Du lässt mich nie allein, alle Zeit bist Du bei mir.
Ich darf immer bei Dir sein. Ich vertraue Dir.

Deine Liebe schenkst Du mir, auch in dunklen Stunden;
Denn am Kreuz hast Du für mich alles überwunden.
Herr, Dein Licht zeigt mir den Weg, ich darf auf Dich hoffen.
Du hast immer Zeit für mich, Deine Tür steht offen.

(Markus Hottiger)



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