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Ein etwas anderer Werdegang

Geboren im Februar 1981, irgendwo im tiefen Russland. Als kleiner Junge wurde mir schon beigebracht, dass es einen Gott gibt. 1989 sind wir von Russland nach Deutschland übergesiedelt. Meine zweite Heimat ist ein kleines Dorf in Hessen. Bis auf eine türkische Familie gab es zu der Zeit noch keine Aussiedler in dem Dorf, so hatte ich die Möglichkeit mich in Deutschland einzuleben ohne, dass ich die Ausländerfeindlichkeit in starkem Maße gespürt hätte. Meine Eltern sind jeden Sonntag in die Kirche gefahren. Jeden Sonntag wurde ich morgens mit einem Lächeln geweckt und mein Vater sagte: "Es ist schon sehr spät, wir müssen uns beeilen". Dabei war wirklich noch genügend Zeit. Ich bin bis zu dem Tag an dem ich ausgezogen bin, immer wieder darauf reingefallen und habe mich aus dem Bett beeilt um danach festzustellen, dass ich nun warten musste, weil alle anderen noch nicht fertig waren.

Mit ca. zehn Jahren hat es angefangen mich zu nerven wenn mein Vater morgens kam und mich wecken wollte. Ich wollte meine Ruhe, wollte schlafen und ganz sicher nicht in die Kirche gehen, wo ich eine Stunde und dreißig Minuten damit verbrachte mich wach zu halten. Es hat mich wirklich nicht interessiert was da vorne erzählt wurde. Außerdem war es so monoton, dass es auf mich erst recht wie Schlaftabletten wirkte. Ich saß also meist mit einigen meiner Freunde da und versuchte die Zeit totzuschlagen.

Zur gleichen Zeit fing ich mit zweien meiner Freunde an zu rauchen. Wir kauften uns zusammen Zigaretten, versteckten uns an einem kleinen See und teilten uns die Schachtel. Einer von uns tat immer so als würde er sich die Zigaretten für später aufheben. So kam es auch, dass er nie wirklich angefangen hat zu rauchen, wobei ich und der andere zu Rauchern wurden. Es hat natürlich nicht lange gedauert bis jeder seine eigene Schachtel haben wollte. Ich würde sagen, dies war der Zeitpunkt an dem ich zwar noch nicht abhängig, aber schon zu einem richtigen Raucher wurde.

Jeden Freitag abend hatten wir Jungschar. Wir trafen uns, alberten die Stunde rum und freuten uns auf das Bier, was wir uns anschließend kauften. Dabei versuchte jeder mehr zu trinken als der Andere. Das erste mal wird mir wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben. Ich hatte soviel getrunken, dass ich die ganze Nacht erbrechen musste. Zum Schluss konnte ich nicht mal mehr aufstehen und erbrach einfach neben meinem Bett. Ich war tatsächlich so naiv und glaubte meine Eltern hätten nicht gemerkt, dass ich Alkohol getrunken hatte. Ich sagte mir ginge es nicht sehr gut, wahrscheinlich hätte ich was Schlechtes gegessen. Um so mehr war ich verdutzt, als meine Mutter mich ganz lieb fragte, ob mir das Trinken Spaß gemacht hätte. Da halfen keine Ausreden mehr, vor allem weil sie trotz allem so lieb zu mir war. Ich gab zu, ein kleines bisschen über den Durst getrunken zu haben und wollte in der damaligen Verfassung auch wirklich nie wieder Alkohol trinken.

Ich wurde älter und es kam anders. Nun war ich Raucher und habe, meist nur am Wochenende, auch gerne weiterhin Alkohol getrunken. Nur war das Bier nicht so mein Fall, ich trank lieber Cognac mit Cola, das war schon eher was ich wollte. Ich dachte, ein tolles Leben zu führen. Alle Moral die mir meine Eltern beigebracht hatten war verschwunden. Es gab jedoch drei Dinge an die ich mich am längsten hielt, diese waren mir immer im Sinn geblieben. Kein Sex vor der Ehe, keine Lügen und Respekt vor anderen Menschen. Ich habe mich nicht immer daran gehalten, doch zumindest hat mich bei diesen Dingen noch das Gewissen verklagt, was dazu führte, dass ich mir auch Mühe gab diese Prinzipien soweit wie möglich einzuhalten. Dafür danke ich Gott und meinen Eltern von Herzen.

Die Schule ist für mich ein Ort der mit Verantwortung, Fleiß und Konsequenz zu verbinden ist. Genau diese drei Dinge mussten in meinen Augen ausgeschaltet werden. Während meiner ganzen Schulzeit gibt es wahrscheinlich nichts Positives über mich zu berichten. Ich hasste die Schule und dementsprechend lernte ich auch nicht dafür, was dazu führte, dass ich sie noch mehr hassen musste, weil meine Lehrer mir nicht immer alles durchgehen ließen. Ich eignete es mir irgendwann an die Schule nicht mehr regelmäßig zu besuchen. Ein Lehrer sagte mal, dass ich die Drei-Tage-Woche pflegen würde: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag - Schule, Freitag, Samstag, Sonntag, Montag - Wochenende. So kam es, dass ich die achte Klasse mit vier fünfen und einer sechs im Zeugnis wiederholen musste. Leider brachte das nicht das gewünschte Ergebnis, denn das zweite Mal in der achten Klasse bescherte mir ein Zeugnis mit sieben fünfen und einer sechs. Den Lehrern war klar, dass hier wohl kein Erfolg in Sicht war und sie verwiesen mich der Schule. So begab ich mich ohne Abschluss auf eine Berufliche Schule. Hier hatte ich nun endgültig einen Notendurchschnitt von 5,0 geschafft. Das bedeutet, dass ich keine bessere Note in meinem Zeugnis hatte, als fünf.

Trotz der schlechten Noten und ohne Abschluss schaffte ich es, eine Ausbildung als Heizungsbauer zu bekommen. Die Ausbildung machte mir nicht wenig Spaß, nur leider stimmten die Ansichten von meinem damaligen Chef nicht immer mit meinen überein. Ich durfte auch in meiner Freizeit nicht rauchen, dies konnte und wollte ich nicht verstehen.

An einem Abend traf ich mich mit einem Freund. Ich habe mich oft mit ihm zum Trinken getroffen. Wir tranken mitten in der Woche Cola-Cognac und mitten in der Nacht kam uns der Gedanke etwas zu essen. Wir machten uns auf und ich fuhr mit seinem Auto in die nächste ca. 20 Kilometer entfernte Stadt, in der es ein McDonalds gibt. Nach einiger Zeit bemerkte mein Freund, dass die Polizei hinter uns herfuhr. Ich wendete an der nächsten Tankstelle und hoffte die Polizei würde weiter fahren. Doch die Polizei wendete auch. Ich versuchte ihr zu entkommen, doch auch dieses Vorhaben war schnell beendet, denn ich fuhr in eine Sackgasse und musste zwangsweise stoppen. An dem Abend verlor ich meinen Führerschein für die nächsten elf Monate. Einige Wochen später war auch meine Ausbildung nach sechs Monaten frühzeitig beendet. Nach kurzer Arbeitslosigkeit bekam ich eine Stelle in einer Fabrik, ich saß an großen Pressen und habe Teile aus Metall gepresst, die dann in Autos, Motorsägen o.ä. eingebaut wurden. Auch diese Arbeitsstelle machte mir nicht wenig Spaß. Ich hatte seit einiger Zeit eine Freundin und dadurch, dass ich kein Auto, keine Wohnung und auch weiter nichts unterhalten musste, konnte ich für einen 19-jährigen mit dem Geld nur so um mich werfen. Dadurch hatte ich mehr Geld für Alkohol und Zigaretten, und dieses habe ich auch komplett dafür ausgegeben.

Im September 1999 kam mir der Gedanke, dass ich nicht ewig Lust hatte in dieser Fabrik zu arbeiten. Ich kündigte und besuchte ab diesem Zeitpunkt eine Abendschule. Morgens war ich Kurierfahrer und abends ging ich in die Schule und versuchte meinen Realschulabschluss nachzuholen. Das große Problem waren wieder die Fehlzeiten, andere Freunde gingen abends feiern und ich sollte in die Schule gehen. Die Noten in den Arbeiten waren nicht verkehrt, nur waren meine Fehlzeiten sehr hoch. Sollte ich in einem Halbjahr mehr als 30% Fehlzeit haben, würde ich eine fünf in jedem Fach, in dem ich so viel gefehlt hatte, bekommen. Kurz bevor das erste Halbjahr geschafft war, sah ich wie knapp es mit meiner Fehlquote war. Ich wusste nie genau wie oft ich gefehlt hatte, jedoch wusste ich, dass es für mich sehr eng wurde. Ich fing an Gott um Hilfe zu bitten. Ich konnte doch nicht schon wieder durchfallen und alle anderen die es vorhergesagt hatten, würden recht behalten. Ich schaffte das erste Halbjahr, bedankte mich bei Gott und damit war das Thema abgehakt. Die nächsten drei Halbjahre verliefen ganz genauso, kurz vor dem Ende geriet ich so in Panik, dass ich anfing zu beten wie nie zuvor. Ich schaffte die Schule mit einem für meine Verhältnisse sehr guten Zeugnis. Im nachhinein habe ich mitbekommen, dass ich in jedem Halbjahr die Fehlquote überschritten hatte. Die Lehrer haben mich wegen meiner Noten und meinem sonstigen Benehmen durchrutschen lassen.

Am 16. September 2001 verlor ich meinen besten Freund bei einem Autounfall. Es war das erste Mal für mich, dass ich einen Menschen verlor, der mir so nahe stand. Immer wieder kam es mir in den Sinn, dass Gott mir damit ein Zeichen geben wollte. Ich fing an, mehr zu beten. Jedoch dachte ich, dass der Glaube an Gott reichen müsste. Ich könnte doch auch "mal" Alkohol trinken, was sei daran schlimmes? Auch meine ganzen anderen Taten würde mir der Herr schon vergeben. Ich sagte jeden Abend, dass es mir leid täte und damit sollte es gut so sein. Doch immer mehr beschäftigte mich das Thema. Ich dachte viel darüber nach, doch ändern wollte ich nichts, denn mir ging es gut so wie es war. Jedes Mal wenn mein Gewissen sich meldete, dies war meistens abends, wenn es der Gewohnheit nach Zeit war zu beten, versuchte ich es mit Ausreden zu unterdrücken. Ich war soweit gekommen, dass ich ein bisschen froh war, abends betrunken ins Bett zu fallen, dann sagte ich mir: "Du kannst doch nicht betrunken mit dem Herrn reden und was bringt es wenn du betrunken Bibel liest?

In den Jahren nach dem Tod meines Freundes kam es zwei- oder dreimal vor, dass ich nach Hause kam und es war keiner da. Eigentlich nicht weiter aufregend, doch packte mich eine innere Unruhe: "Kann es sein, dass der Herr da war und meine Familie mitgenommen hat?" dachte ich und fing an alle mir bekannten Verwandten anzurufen, bei denen ich sicher war, dass sie wiedergeborene Christen waren. Doch Gott wollte mich noch nicht beruhigt sehen. Es war wirklich kein Mensch zu erreichen. Ich lief zu meiner Oma mit Panik im Herzen, die ich keinem wünsche, diese war natürlich auch nicht da, genauso wenig wie mein Onkel, der nebenan wohnt. Nun fing ich an Gott anzuflehen und ihn zu bitten, dass er noch nicht da gewesen sei. Nach kurzer Zeit löste sich das Rätsel auf, alle waren noch da und der Herr war noch nicht gekommen um sie zu holen. Ich erzählte von diesem Vorfall keinem und vergaß ihn auch relativ schnell wieder.

Im April 2003 kam für mich ein Wendepunkt. Bis dahin war ich wirklich glücklich gewesen und es war mir auch bewusst. Ich war seit einiger Zeit in der Ausbildung zum Bankkaufmann, hatte seit längerem eine Freundin, fuhr ein tolles Auto, hatte eine wunderbare Familie. Doch dann, für mich wie aus dem Nichts, verkündete mir meine Freundin, dass es keinen Zweck mehr mit uns hätte. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, ich sah in mir keine Schuld: "Wie konnte sie eine 4,5-jährige Beziehung einfach aus dem Fenster werfen?" Auf einmal war alles unwichtig. Das Auto spielte keine Rolle mehr und auch der Beruf nicht. Das ganze Leben schien sinnlos. Wofür das alles, wofür arbeiten, wofür lernen, wofür leben, wofür sparen oder planen wenn alles so schnell vorbei sein kann? Nun kam wieder Gott ins Spiel. Ich kann mich erinnern, dass ich noch nie so zu Gott geschrieen habe wie zu dieser Zeit. Ich wollte sie wiederhaben. Es sollte alles so sein wie früher. Ich betete viel, las in der Bibel, suchte nach Antworten und Hilfen. Es kam mir vor als wäre ich eine kleine, irre gewordene Maus, die völlig überdreht in ihrem Käfig herumspringt. Gott dagegen sah mich ganz ruhig an und sagte ich solle mich beruhigen, es wird alles gut werden.

Dieser Zustand hielt einige Wochen an. Ich redete weiter immer wieder mit Gott und las in der Bibel, meine Verbindung zu Gott wurde immer ernster. Es ging nun nicht nur um meine Freundin, ich wollte mein Leben mit Jesus bestreiten. An einem Sonntag kam der für mich alles entscheidende Zeitpunkt. Ich fuhr zu dem Bruder meiner Freundin und sagte ihm, dass ich mich bekehren wolle. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich überlegte ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, aber nein ich wollte es richtig machen, aus mir sollte ein richtiger Christ werden. Wir redeten ein wenig miteinander, dann beteten wir zusammen. Es war toll, ich ging raus und war Christ, ich war wiedergeboren. Das einzige Problem war nun, dass ich meine Freundin immer noch wiederhaben wollte. Ich versuchte auf eigene Faust um sie zu kämpfen. Nach jedem Anruf, jeder Mail merkte ich, dass es eher schlechter als besser für mich wurde. Ich gab es jedoch lange nicht auf, bis mir irgendwann klar wurde, dass ich zwar Gott um Hilfe anflehte, die Taten aber immer von mir aus kamen. Es war zu spüren, dass bei den Anrufen Gott nicht bei mir war. Es wurde immer aussichtsloser und ich kam zu der Erkenntnis, dass ich auf diese Weise nichts erreichen konnte. Also übergab ich es diesmal ganz Gott. "Herr wenn DU willst, so gib sie mir zurück, ich würde mich so darüber freuen. Wenn es aber nicht dein Wille ist, so gib mir bitte Kraft sie zu vergessen, lass meine Liebe zu ihr erkalten." Es fiel mir sehr schwer die Entscheidung Gott zu überlassen. Sollte er sie mir nicht wiedergeben, so musste ich das hinnehmen, nicht nur ohne Murren, sondern sogar mit Dank.

Wenn meine Exfreundin und ich manchmal telefonierten, so erzählte ich ihr von Gott, ich erzählte wie sehr sich mein Leben verändert habe, seit Er mich aufgenommen hatte. An ihren Reaktionen merkte ich, dass es ihr schwer fiel mir zu glauben. In einem Telefonat habe ich ca. 45 min nur davon erzählt wie toll es mir mit Gott geht und, dass es schön wäre wenn wir diesen Weg zusammen gehen könnten. Ich weiß nicht warum sie mir solange zugehört hat, aber ich konnte auch gar nicht aufhören, es sprudelte alles aus mir heraus.

Im Juni oder Juli 2003 waren wir wieder ein Paar, ich kann gar nicht genau sagen wie es dazu kam. Meine Freundin bekehrte sich auch einige Wochen später. Im Mai 2004 haben wir geheiratet und sind am 6. Juni 2004 beide getauft worden. Im nachhinein hat meine Frau mir erzählt, dass sie gar nicht wusste warum sie wieder mit mir zusammen sein wollte. Es war der Herr, der uns wieder zusammengeführt hat und uns eine glückliche Ehe schenkt.

Auch ein Christenleben ist nicht ohne Probleme, doch ist es schön zu wissen, dass der Herr immer für uns da ist. Wir können zu ihm kommen mit unseren Sorgen und Problemen. Und wenn der Herr kommt oder ich vorher versterben sollte, dann werde ich von meinem anderen Vater mit einem freundlichen Lächeln geweckt werden um die Ewigkeit ohne Sorgen, Kummer, Tränen und Schmerzen verbringen zu können.

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